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Manipulation von Kindern erkennen, psychologische Kriterien und Fachliteratur

Kindliche Aussagen müssen ernst genommen werden. Zugleich gilt, Ablehnung, Angst oder belastende Schilderungen sind nicht automatisch Manipulation. Kinder können reale schlechte Erfahrungen schildern, sie können aber auch durch Einflussnahme geformte Aussagen übernehmen, etwa nach suggestiven Fragen, Loyalitätskonflikten oder wiederholter negativer Beeinflussung.

Gerade in familiengerichtlichen Verfahren ist das zentral. Dort geht es oft um die Frage, ob ein geäußerter Kindeswille auf eigener Erfahrung beruht oder durch Erwachsene mitgeprägt wurde. Dieser Beitrag ersetzt keine Ferndiagnose. Er stützt sich auf psychologische Kriterien und auf deutschsprachige Fachliteratur, unter anderem aus dem Umfeld von Balloff, Fegert, Remschmidt, Petermann sowie auf aussagepsychologische Standardwerke aus dem deutschen Sprachraum. Wenn Widersprüche auffallen oder Unterlagen schwer einzuordnen sind, kann eine fachpsychologische Einzelfallpüefung sinnvoll sein, Hilfe? Hier erhalten!

Was mit Manipulation von Kindern gemeint ist, und was davon klar abzugrenzen ist

Mit Manipulation ist hier keine beliebige elterliche Meinung gemeint. Gemeint ist eine Einflussnahme, die die Wahrnehmung des Kindes so lenkt, dass eigene Erinnerungen, Gefühle oder Bindungen überlagert werden. Das kann offen geschehen, etwa durch Abwertung des anderen Elternteils. Es kann aber auch verdeckt geschehen, zum Beispiel durch Mimik, Schweigen, Angstübertragung oder ständige Wiederholung gleicher Botschaften.

Kinder sind dafür besonders anfällig, weil sie von Bindung und Zugehörigkeit leben. Sie wollen Sicherheit. Sie passen sich deshalb oft an die Erwartungen wichtiger Bezugspersonen an. Fachpsychologische Literatur, etwa bei Petermann, beschreibt diese Abhängigkeit als normalen Teil kindlicher Entwicklung. Genau deshalb muss man bei belasteten Familiensituationen sorgfältig hinschauen.

Beeinflussung ist nicht immer Absicht

Nicht jede Einflussnahme ist geplant. Ein Elternteil kann seine eigene Angst unbemerkt weitergeben. Schon Sätze wie „Pass dort gut auf“ oder ein sichtbares Erstarren vor dem Umgang können ein Kind prägen. Auch wiederholte Erzählungen im Familienkreis wirken stark, selbst wenn niemand bewusst lügen will.

Auffällig wird es, wenn ein Kind Formulierungen übernimmt, die eher aus dem Erwachsenenstreit stammen. Dann geht es nicht mehr nur um Stimmung, sondern um mögliche Überformung des Erlebens. Mehr zum Hintergrund bietet auch der Beitrag zu Manipulation und induzierter Wille.

Wann ein begründeter Verdacht entsteht, und wann Zurückhaltung nötig ist

Einzelne Auffälligkeiten reichen nie aus. Ein Kind darf wütend sein, Kontakt ablehnen oder einen Elternteil kritisieren. Das kann vollständig nachvollziehbar sein. Vor allem nach Enttäuschungen, Streit oder unsensiblen Übergaben reagieren Kinder oft scharf und schwankend.

Ein belastbarer Verdacht entsteht erst, wenn sich über Zeit ein Muster zeigt. Wichtig sind Widersprüche, der Entstehungskontext und der Entwicklungsstand. Ein sechsjähriges Kind spricht anders als ein zwölfjähriges. Ebenso wichtig ist die Frage, ob die Schilderung auf eigener Erfahrung beruht oder eher geliehen klingt. Zurückhaltung ist deshalb kein Ausweichen, sondern fachlich geboten.

Diese Anzeichen koennen auf eine Manipulation hindeuten

Kein einzelnes Merkmal beweist eine Manipulation. In der Praxis werden Hinweise erst dann bedeutsam, wenn mehrere zusammenpassen und man auf Eltern- und Kinderebene parallelen beweisen kann (Balloff, Kinder vor dem Familiengericht). Entwicklungspsychologie, Bindungsforschung und Aussagepsychologie achten deshalb auf Muster und nicht auf Schlagworte.

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Ungewöhnlich starre Aussagen und erwachsen klingende Begriffe

Ein Kind kann Sätze verwenden, die nicht zu Alter, Sprachstand oder Erlebniswelt passen. Das betrifft etwa juristische Begriffe, moralisch starre Urteile oder sauber auswendig wirkende Formeln wie „Er ist narzisstisch“ oder „Sie verletzt permanent meine Grenzen“. Solche Worte müssen nicht falsch sein, aber sie sind erklärungsbedürftig.

In der deutschsprachigen Aussagepsychologie wird genau darauf geachtet. Standardarbeiten von Steller und Köhnken zur kriterienorientierten Inhaltsanalyse stellen nicht nur auf den Inhalt ab, sondern auf Qualitätsmerkmale der Aussage. Erlebnisnahe Schilderungen enthalten oft sinnliche, situative und spontane Einzelheiten. Übernommene Aussagen wirken häufig glatter, allgemeiner und weniger in sich verankert.

Starke Schwarz-Weiss-Bilder von einem Elternteil

Auffällig kann auch ein vollständig einseitiges Bild sein. Das Kind idealisiert den einen Elternteil und wertet den anderen pauschal ab. Es gibt keine Ambivalenz, keine gemischten Gefühle, keine konkreten Alltagserinnerungen, die beides zeigen. Gerade das ist ungewöhnlich, weil Bindungen meist widersprüchlich sind.

Gleichzeitig braucht dieser Punkt viel Vorsicht. Wenn ein Kind Gewalt, Vernachlaessigung oder massive Grenzverletzungen erlebt hat, kann es einen Elternteil auch klar ablehnen. Deshalb muss man immer pruefen, ob reale Erfahrungen das Verhalten tragen. Die negativen Folgen der Entfremdung fuer das Kind machen zudem deutlich, wie stark ein andauernder Elternkonflikt das kindliche Selbstbild beschaedigen kann.

Plötzliche Ablehnung ohne nachvollziehbare eigene Erlebnisse

Manchmal kippt eine zuvor tragfähige Beziehung sehr schnell. Das Kind will keinen Umgang mehr, wirkt ängstlich oder verweigert jede Nähe. Entscheidend ist dann nicht nur, dass es ablehnt, sondern wie es das begründet. Vage, wechselnde oder geliehene Begründungen wiegen anders als dichte, eigene Erinnerungen.

Aussagepsychologisch ist die Qualität der Schilderung wichtig. Wirkt ein Bericht konkret, anschaulich und an Erlebnisse gebunden, oder bleibt er formelhaft und austauschbar? Solche Unterschiede klären sich selten im Alltagsgespräch. Sie brauchen Kontext und oft Aktenkenntnis.

Loyalitätsdruck, Schuldgefühle und Angst vor Zuneigung zum anderen Elternteil

Ein typisches Warnzeichen ist Spannung nach Kontakten. Das Kind versteckt Geschenke, löscht Nachrichten oder wirkt schuldig, wenn es etwas Positives über den anderen Elternteil sagt. Manche Kinder wechseln sichtbar den Ton, sobald eine bestimmte Bezugsperson anwesend ist. Andere fragen, ob sie „das überhaupt sagen dürfen“.

Je stärker ein Kind für Liebe oder Anerkennung den Gleichklang mit einem Elternteil braucht, desto leichter übernimmt es dessen Sicht.

Solche Muster passen zu dem, was Entwicklungspsychologie und Kinderpsychiatrie bei Stress, Bindungsangst und Anpassungsdruck beschreiben. Wer genauer prüfen möchte, findet weitere Hinweise unter Anzeichen von Kindesmanipulation erkennen.

So prüfen Fachleute, ob Aussagen eines Kindes eher authentisch oder beeinflusst wirken

Eine fachliche Prüfung sucht keine schnellen Etiketten. Sie schaut auf Entstehung, Verlauf und Passung. Ein Satz allein ist fast nie aussagekräftig. Relevant ist, wann eine Aussage erstmals auftauchte, wer zuvor mit dem Kind sprach, wie oft Themen wiederholt wurden und ob sich das Bild über Dokumente hinweg verändert.

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Warum der Gesprächskontext oft wichtiger ist als ein einzelner Satz

Suggestive Fragen können kindliche Aussagen verändern. Das ist seit langem aus der forensischen Psychologie bekannt. Wenn Erwachsene Vorinformationen geben, gleiche Fragen wiederholen oder eine bestimmte Antwort belohnen, steigt das Risiko einer Anpassung. Volbert, Köhnken und weitere deutschsprachige Fachautorinnen und Fachautoren betonen deshalb die Bedeutung sauberer Befragung und des Kontextes.

Auch Balloff weist für den familienrechtlichen Bereich darauf hin, dass Begutachtung mehr braucht als Zitate aus Anhörungen. Man muss sehen, wie das Gespräch geführt wurde und welche Vorerwartungen im Raum standen.

Welche Unterlagen und Beobachtungen zusammen ausgewertet werden sollten

Seriöse Einschätzungen arbeiten mit mehreren Quellen. Dazu gehören Protokolle der Kindesanhörung, Berichte von Jugendamt und Verfahrensbeistand, Umgangsverläufe, Chatnachrichten, schulische Rückmeldungen und frühere Aussagen. Erst im Vergleich wird sichtbar, ob ein Bild stabil, widersprüchlich oder situativ geformt ist.

Isolierte Dokumente verfuehren zu schnellen Schluessen. Der Zusammenhang entscheidet oft ueber die Bedeutung.

Grenzen gibt es trotzdem. Auch eine gute psychologische Prüfung kann Vergangenes nicht lückenlos rekonstruieren. Sie kann aber Hinweise gewichten und Fehlinterpretationen reduzieren.

Deutsche psychologische Fachliteratur, auf die sich der Artikel stützt

Der Beitrag lehnt sich an bekannte deutschsprachige oder im deutschen Fachkontext etablierte Werke an. Titel und Auflagen können variieren. Entscheidend ist die fachliche Linie.

Grundlagen zu Entwicklung, Belastung und Beeinflussbarkeit von Kindern

Lehrbücher von Petermann helfen, altersgerechte Sprache, Abhängigkeit, Anpassung und Stressreaktionen einzuordnen. Im Umfeld von Fegert und Fichtner finden sich wichtige Arbeiten zu Kindeswohl, Belastungsfolgen und zur Rolle hochstrittiger Konflikte fuer Kinder. Balloff wird im deutschen Diskurs zu Familienkonflikten und kindlicher Beeinflussung ebenfalls herangezogen, wenn es um die Trennung von echter Belastung und übernommener Sicht geht.

Aussagepsychologie und Begutachtung im deutschen Fachkontext

Für die Bewertung von Aussagen sind Steller und Köhnken grundlegend, vor allem mit der kriterienorientierten Analyse von Erlebnisbezug und Aussagequalität. Volbert ist im deutschen Fachraum wichtig, wenn es um Suggestion, Erinnerungsveränderungen und Glaubhaftigkeitsbegutachtung geht. Für familienrechtliche Begutachtung ist auch Balloff relevant, weil er den Übergang zwischen psychologischer Beurteilung und gerichtlicher Verwertbarkeit deutlich macht. Diese Literatur hilft, echte Erfahrung, Erwartungsdruck und fremd übernommene Inhalte sauberer zu unterscheiden.

Was Eltern und Beteiligte jetzt tun sollten, wenn sie Einflussnahme vermuten

Ruhe und Genauigkeit helfen mehr als Alarm. Wer vorschnell „Manipulation“ ruft, kann das Kind zusätzlich unter Druck setzen. Sinnvoll ist eine sachliche Dokumentation.

Beobachtungen sauber dokumentieren, statt das Kind zu drängen

Halten Sie knapp fest, wann etwas gesagt wurde, in welcher Situation und möglicherweise nach welchem Auslöser. Wichtig ist der Wortlaut. Schreiben Sie nicht nur Ihre Deutung auf. Notieren Sie auch, wie das Kind wirkte.

Hilfreich ist eine einfache Struktur:

  • Datum, Uhrzeit und Anlass
  • moeglichst genauer Wortlaut
  • Verhalten vor und nach dem Kontakt
  • beteiligte Personen und besondere Umstände

Vermeiden Sie wiederholtes Nachfragen. Jede erneute Befragung kann Erinnerungen veraendern oder das Kind auf eine erwartete Antwort ausrichten.

Früh fachliche Hilfe holen, wenn Aussagen und Verhalten nicht zusammenpassen

Psychologische oder juristische Hilfe ist sinnvoll, wenn Umgang plötzlich abbricht, Begründungen stark wechseln oder Akteninhalte nicht zum beobachteten Verhalten passen. Das gilt auch, wenn Protokolle, Jugendamtsberichte und kindliche Aussagen scheinbar dasselbe sagen, aber auf sehr unterschiedlichen Gesprächssituationen beruhen.

In solchen Faellen ist eine fachliche Einordnung oft der kürzeste Weg zu Klarheit. Ohne psychologische Fachexpertise bleibt die Bewertung schnell spekulativ. Dann kann eine strukturierte Prüfung der Unterlagen sinnvoll sein, erneut über Hilfe? Hier erhalten!.

Kindliche Aussagen verdienen doppelten Schutz. Reale Belastungen dürfen nicht übersehen werden. Zugleich darf man Einflussnahme nicht verharmlosen, wenn sich über Zeit ein stimmiges Muster zeigt.

Für familiengerichtliche Verfahren heißt das vor allem eins: Belastbar wird die Einschätzung meist erst durch mehrere Hinweise, den Entstehungskontext und eine fachliche Prüfung. Gerade darin liegt der Unterschied zwischen vorschneller Deutung und seriöser Bewertung von kindlichen Aussagen.

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Manipulation

Gefangen im Kreuzfeuer: Die Emotionalen Folgen von Kindesmanipulation im Trennungsstreit

Als Psychologin und Mutter habe ich miterlebt, wie tiefgreifend die emotionalen Wunden und emotionale Folgen von Kindesmanipulation sein können, die in Trennungs- und Sorgerechtskonflikten entstehen. Der Schmerz, den ein Kind fühlt, wenn es in den Konflikt seiner Eltern hineingezogen wird, ist oft unsichtbar, aber immens. Kindesmanipulation im Rahmen eines Trennungsstreits ist eine besonders schädliche Form des emotionalen Missbrauchs, die langfristige negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und die Beziehungen der Kinder haben kann.
Mit diesem Artikel möchte ich nicht nur Fachwissen teilen, sondern auch daran erinnern, dass die Kinder oberste Priorität haben sollten. Auch in Krisensituationen, wie Trennungen und Sorgerechtsstreits, die eine Belastung für die gesamte Familie darstellen, sollte man sich nicht dazu hinreißen lassen, das Kind in den Konflikt einzubinden. Wie schädlich das sein kann und wie wichtig es ist, Bindungen zu beiden Elternteilen zu schützen, darauf gehe ich im Folgenden näher ein.

Kindesmanipulation: Was bedeutet das?

Kindesmanipulation tritt auf, wenn ein Elternteil versucht, das Kind gegen den anderen Elternteil aufzuhetzen oder es in den Konflikt hineinzuziehen.

Dies kann auf verschiedene Weise geschehen, beispielsweise durch negative Äußerungen über den anderen Elternteil oder das Einbeziehen des Kindes in Erwachsenenprobleme. Das Kind kann sich auch indirekt zu Loyalität verpflichtet fühlen werden, zum Beispiel durch Geschenke, Zuwendung oder Freizügigkeiten.

Warum stabile Beziehungen wichtig sind?

Die Bindungstheorie nach Bowlby betont die Bedeutung sicherer und stabiler Beziehungen für die emotionale und soziale Entwicklung eines Kindes. Mit sicheren Bindungen zu beiden Elternteilen setzen Eltern in den ersten drei Jahren einen Grundstein, für eine gesunde Sozialkompetenz. In diesen Jahren werden Beziehungsfähigkeit, Empathie, Selbstbewusstsein und Vertrauen geprägt. Wenn diese Bindungen durch Manipulation gestört werden, kann dies zu langfristigen emotionalen und psychischen Problemen führen.

Negative emotionale Folgen von Kindesmanipulation

Kurzfristige emotionale Auswirkungen

Kinder, die in den elterlichen Konflikt hineingezogen werden, erleben oft Ratlosigkeit, Angst und Stress. Sie sind hin- und hergerissen zwischen ihren Eltern. In der Regel identifizieren sich Kinder mit beiden Elternteilen und lieben ihre Eltern (unabhängig von der Qualität der Beziehung). Sind Kinder aufgrund eines Loyalitätskonfliktes gezwungen einen Elternteil abzulehnen, so negieren sie damit nicht nur eigene Bindungsbedürfnisse, sondern auch einen Teil ihrer Identität.
Erschütterung der Bindung zu beiden Eltern

Kindesmanipulation kann dazu führen, dass Kinder einen Elternteil ablehnen, damit passen sie sich an den manipulierenden Elternteil an und vermeiden beispielsweise negative Folgen wie Liebesentzug. Diese Entfremdung kann die Beziehung dauerhaft schädigen.

Neben der offensichtlichen Ablehnung, leidet jedoch auch die Beziehung zum manipulierenden Elternteil. Die Studie von Walper und Gerhard (2003) zeigte deutlich geringere Verbundenheit des Kindes mit den Müttern, die Kontakte des Kindes mit dem Vater verhindern. Ein Verleugnen der eigenen Bedürfnisse in Bezug auf den Vater, und der Koalitionsdruck der Mutter kann selbstverständlich auch die Mutter-Kind-Bindung tiefgreifend beeinträchtigen.

Langfristige psychische Folgen

Langfristig kann Kindesmanipulation das Risiko für Angststörungen, Depressionen und Beziehungsprobleme erhöhen. Darüber hinaus unterschätzen Eltern oft, dass die Manipulation sich negativ auf jede Eltern-Kind-Beziehung auswirkt.

„Als meine Eltern sich scheiden ließen, fühlte ich mich ständig schuldig, als könnte ich es niemandem recht machen. Wenn ich an einem Tag mit Papa Spaß hatte, durfte ich es Mama nicht sehen lassen, sonst war sie bitter enttäuscht. Ich hatte immer Angst, einen von ihnen zu enttäuschen. Ich habe mich oft sehr traurig und allein gefühlt.“

Anna, 15 Jahre

Wie Eltern ihre Kinder schützen können

Eltern sollten sich ihrer Handlungen und deren Auswirkungen bewusst werden. Es ist wichtig, das eigene Verhalten zu reflektieren und die Motivation hinter bestimmten Aussagen oder Handlungen zu hinterfragen.

Förderung einer positiven Eltern-Kind-Beziehung

Offene und ehrliche Kommunikation sowie die Förderung von Bindung und Vertrauen zu beiden Elternteilen sind essenziell. Eltern sollten für ihren Kinder ein sicherer Ort sein, ein offenes Ohr haben und kindgerecht nur das kommunizieren, das für die Kinder wichtig ist. Eltern sollten es ihren Kindern ermöglichen, eine gesunde Beziehung zu beiden Elternteilen zu pflegen.

Professionelle Unterstützung suchen

Unsere psychologische Beratung, Mediatoren oder Co-Parenting-Kurse können eine wertvolle Unterstützung bieten. Diese Ressourcen helfen, gesunde Kommunikationsstrategien zu entwickeln und das Wohl des Kindes in den Vordergrund zu stellen. Gegebenenfalls kann auch eine professionelle Psychotherapie (systemische Therapie) wertvolle Impulse liefern, um Kindesmanipulation (auch unbewusst!) zu vermeiden und damit auch emotionale Folgen.

Ein Leuchtturm durch den Sturm

Die Auswirkungen von Kindesmanipulation auf die emotionale und psychische Gesundheit eines Kindes sind tiefgreifend. Eltern müssen sich bewusst sein, wie wichtig stabile Bindungen zu beiden Elternteilen sind und ihre Kinder aus den Konflikten heraushalten. Lassen Sie uns als Eltern das Wohl unserer Kinder in den Vordergrund stellen und ihnen eine sichere, unterstützende Umgebung bieten, damit sie gesund und glücklich aufwachsen können. Emotionale Folgen von Kindesmanipulation können so vermieden werden.

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Entfremdung Manipulation

Manipulation von Kindern und Entfremdung – wo bleibt das Kind?

„Seit November letzten Jahres habe ich keinen Kontakt mehr mit meiner Mutter. Ich bin dadurch viel fröhlicher. Ich will auch keinen Kontakt mehr mit ihr.“

Beispiel aus einem Verfahren

Manipulation von Kindern und Entfremdung von Eltern – wo bleibt das Kind?

Wenn ein Krieg um das Kind entbrennt, dann gibt es selten Gewinner. Darüber hinaus wird im Streit häufig das vergessen, worum es wirklich gehen sollte: Das Kind. Manipulation von Kindern und Entfremdung von Eltern sind an der Tagesordnung. Doch warum?

Wir erleben es täglich in der Arbeit, dass sich Elternteile so in dem partnerschaftlichem Konflikt verlieren, dass sie nicht nur das Kind darüber vergessen, sondern sich überdies das Kind als Komplizen auswählen und in die Dynamik mit hinein ziehen. Über einen manipulierten Kindeswillen kommt es zu Kontaktabbrüchen, die durch gründliche Überprüfung des kindlichen Willens auf Induzierung vermieden werden könnten.

„Indirekte Induzierung meint das Gewähren und Versprechen von Vorteilen wie Geschenke, Zuwendung, Freizügigkeiten. Die direkte Induzierung betrifft konkreter das Verändern von Einstellungen und Willensinhalten von Kindern in Bezug auf bestimmte Personen („er lügt“) oder in Bezug auf die Zukunft („sie ist nur so lange nett zu dir, bis du dort lebst“).“

Harry Dettenborn, Kindeswohl und Kindeswille, 6. Auflage 2021, S. 94

Suggestion und Alter

Kinder entwickeln erst im Alter von 3-4 Jahren anfänglich ein autobiografisches Gedächtnis. Zu Beginn sind sie dabei verstärkt auf spezifische Gedächtnishilfen angewiesen um Informationen zu reproduzieren  (vgl. Dettenborn 2001, S. 76).

In diesem Alter ist also die Suggestibilität höher als das Risiko falsche Erinnerungen zu produzieren (vgl. Salzgeber, 2020).

Die Gefahr der Induzierung fremden Willens nimmt sicher mit dem Alter ab, jedoch steht der Kindeswille im Spannungsfeld eines gerichtlich ausgetragenen Elternkonfliktes grundsätzlich in Frage (Wegener, 2015, 823, Rn. 26).

Kontaktabbruch oder Entfremdung nur in begründeten Ausnahmefällen

Ein Kontaktabbruch kann nach unserer tiefsten Überzeugung nur in begründeten und durch das Kind begründbaren Fällen hinzunehmen sein. Es gibt jedoch unzählige Beispiele, in denen Kinder ohne einen nachvollziehbaren Grund und entgegen der Beobachtungen von Fachleuten im Umgang, welche von guter Bindung und gelungenen Kontakten sprechen, plötzlich den Kontakt mit einem Elternteil ablehnen.

Widersprüche zwischen der Bindungserfahrung und Aussagen

Darunter die fünfjährige L., die davon berichtete, wie toll es gewesen sei mit ihrem Vater Kaufladen zu spielen und ebenso äußerte „keine Lust“ mehr zu haben ihren Vater wiederzusehen. Die Rationalisierung dieses Wunsches war in diesem Fall besonders auffällig, da L. ihre Ablehnung damit begründete, dass ihr Vater „große Zähne“ habe. Altersgemäß wäre ein Bezug auf Verhalten des Vaters in Besuchskontakten oder im Spiel zu erwarten gewesen.

Gerichte hinterfragen absurde Rationalisierung nicht

Vom Gericht wurde hier, wie leider viel zu häufig in Kindesanhörungen, versäumt diese absurde Rationalisierung zu hinterfragen. Bei der Überprüfung des kindlichen Willens ist jedoch unbedingt nach dem Woher und Wohin zu fragen, also nach dem Bedürfnissen und Gefährdungen der kindlichen Bedürfnisse, und nach der Zielorientierung (Balloff, S. 248).

Vor allem für Kleinkinder sind Bindungen sehr wichtige Motivatoren. So passen sich Kinder beispielsweise in ihren Ansichten an den Elternteil an, um nachteilige Folgen wie einen Liebesentzug, oder Terror zu vermeiden (Balloff, S. 95) Auch in zunehmendem Schulalter, wenn Freunde eine größere Rolle spielen, sind die Eltern immer noch die engsten Vertrauten und wichtigsten Bezugspersonen.

Ich habe V. erlebt, dass er mir Dinge erzählt hat mit dem Zusatz „Sag‘ das nicht der Mama oder „Sag‘ das nicht dem Papa“. Das ist es, was mich ziemlich berührt. […] Der Junge befindet sich in einer Not.“ (Umgangsbegleiter)

Aus einem Verfahren

Belastende Konfliktdynamik

Die Konfliktdynamik zwischen Mutter und Vater kann für Kinder sehr belastend werden, sie erleben sich zwischen den Stühlen. Sie fühlen sich gedrängt, sich für eine Seite zu entscheiden, und wählen häufig die Seite des Elternteils, bei dem sie den Lebensmittelpunkt haben, um sich den für sie negativen Folgen den Konfliktes im eigenen Zuhause zu entziehen.

Baumann, Michel-Biegel, Rücker und Serafin schilderten hierzu in ZKJ 8/22:

„In Fallkonstellationen der Eltern-Kind-Entfremdung ist die ablehnende Haltung des Kindes gegenüber einem der beiden Eltern häufig nicht auf eine autonome Entwicklung zurückzuführen. Vielmehr wollen sich Kinder mit der Äußerung der Ablehnung des Kontakts dem zermürbenden Loyalitätskonflikt entziehen, in den sie das unverhohlen feindselige Verhalten der Eltern ggf. in Kombination mit der übersteigert angstbetonten Haltung der überwiegend betreuenden Elternperson getrieben hat, indem sie sich mit der Haltung dieser Elternperson solidarisieren.“

Formen der Ablehnung

Bei L. zeigt sich dies in der Ablehnung der Kontakte zum Vater. Es ist vorstellbar, dass L. sich zur Bewältigung der Dissonanz zwischen eigener positiver Wahrnehmung des Vaters, und den induzierten, abwertenden Urteilen der Mutter in bekannte Märchenwelten flüchtete, wie Rotkäppchen, und den Vater in einen Bösewicht mit großen Zähnen umschrieb, um in die Wahrnehmung der Mutter zu passen.

Bei V. zeigte sich dies in ablehnender Haltung zur Mutter, die sich innerhalb kurzer Zeit (November – April) deutlich verstärkte. Jedoch blieb diese ablehnende Haltung oberflächlich und begründete sich nur darauf, dass die Mutter ihn manipulieren wolle.

Ich bin erst später darauf gekommen, dass sie mich dadurch manipulieren wollte.“

Aussage eines Kindes

Erwachsenensprache als deutliche Anzeichen für Manipulation

Die Erwachsenensprache („Manipulation“) und die Tatsache, dass das Kind die Besuchskontakte durchweg positiv beschreibt, seinen Wunsch, die Mutter zu sehen, dann jedoch über langen Zeitraum im väterlichen Haushalt ändert und davon spricht „erst später“ erkannt zu haben, was die wahre Absicht der Mutter sei, sind deutliche Anzeichen für Manipulation.

Sollte man dem Kindeswunsch nachgeben?

Sollte dem Wunsch dieser Kinder entsprochen werden, und Vater / Mutter aus dem Leben des Kindes verbannt werden, die Bindung zu einem Elternteil gekappt werden, auch wenn dieser Wunsch höchstwahrscheinlich eingeredet wurde?

Es benötigt nicht viel Vorstellungsvermögen um zu verstehen, dass diese Entscheidungen langfristige, negative Konsequenzen haben. Denn unabhängig von der Qualität der Beziehung, entwickeln die meisten Kinder eine Bindung an ihre Eltern. Und diese Bindung zu trennen, einen Elternteil vom Kind zu „entfremden“, hat logischerweise Folgen.

Missbrauchsgefahren gegen reale Gefahren abwägen

Damit soll keineswegs abgesprochen werden, dass es eine reale Gefahr gibt, die von Eltern ausgeht, die physisch oder mental gewalttätig sind und das Kindeswohl gefährden, sondern darauf hingewiesen werden, dass Missbrauch in mehr Formen existiert, darunter auch in Form von Manipulation und Kontaktabbrüchen.

Den kindlichen Willen zu biegen und brechen, damit er in das eigene, elterliche Weltbild passt, schadet laut Studien nicht nur dem Kind, das gezwungen wird eigene Bedürfnisse und Wahrnehmungen zu leugnen, und zu ändern, sondern auch der Beziehung zu beiden Elternteilen. Die Bezugsperson mit mehr Kontakt und Macht ist zwar zunächst im Vorteil, weil sie mehr manipulieren kann, jedoch wendet sich dieser Koalitionsdruck, den ein Elternteil ausübt, langfristig auch gegen sie selbst (Dettenborn, S. 93 ff.).

Fahrenholz und Zumbach (2020) fassten schon vor vier Jahren zusammen, dass sich das Recht des Kindes auf Umgang nicht gegen seinen Willen durchsetzen lässt, und genau so wenig erzwungene Kontaktabbrüche, ohne die Beziehung zu den Eltern langfristig zu belasten.

Mehr tun gegen Manipulation und Entfremdung

Für Kinder wie L. und V. muss in Familienverfahren mehr getan werden. Kindesanhörungen sollten unter Augenmerk auf die dabei zu berücksichtigen Faktoren durchgeführt und diese ordnungsgemäß dokumentiert und der Kindeswille gründlich auf Gefährdungen und Induzierung geprüft werden. Manipulation von Kindern und Entfremdung darf nicht einfach hingenommen werden.